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Quereinstieg auf Rügen: Jobs ohne passende Ausbildung

Rügen Laufende Suche Teils mit Unterkunft

Worum es hier geht

Auf Rügen entscheidet der Monat mit, ob Du eine Stelle findest. Wer sich im März bewirbt, hat ganz andere Chancen als im Oktober. Dazu kommen zwei Fragen, die auf der Insel über alles andere entscheiden. Wie kommst Du zur Arbeit? Und wo wohnst Du?

Das ist keine einzelne Stellenanzeige. Wir suchen laufend Quereinsteiger für Betriebe auf Rügen und melden uns, sobald eine Stelle zu Dir passt.

Wann welche Branche auf Rügen einstellt

Das ist der wichtigste Abschnitt dieser Seite. Auf der Insel gibt es feste Zeitfenster, in denen eingestellt und angelernt wird. Wer sie kennt, bewirbt sich zum richtigen Zeitpunkt.

BrancheBewerben abWie es läuft
Hotel und GastronomieJanuar bis MärzAnlernen vor der Saison, Vertrag oft bis Oktober
EinzelhandelFebruar und MaiAufstockung vor Ostern und vor Pfingsten
Reinigung und ObjektbetreuungMärz bis AprilFerienanlagen fahren das Personal hoch
Pflege und BetreuungGanzjährigBedarf ohne Saison, Einstieg jederzeit
Handwerk und TechnikOktober bis FebruarInstandsetzung im Winter, Bereitschaft im Sommer
Verwaltung und SozialesGanzjährigFeste Ausschreibungen, längere Verfahren

Die letzte Zeile im Handwerk überrascht viele. In den Ferienanlagen wird im Winter repariert und im Sommer nur noch reagiert. Wer im November anfängt, wird in Ruhe eingearbeitet. Wer sich im Juli meldet, hört meistens, dass gerade keine Zeit dafür ist.

Der zweite Punkt betrifft die Gastronomie. Im Januar und Februar sitzen die Betriebe über der Personalplanung für die Saison. Das ist das beste Zeitfenster für ein Gespräch. Ab Juni wird nur noch ersetzt, wer ausfällt.

Was die Saison zahlt und was im Winter bleibt

Der Mindestlohn gilt auch auf der Insel. Er ist die Untergrenze für alle. Die folgenden Angaben sind Orientierungswerte, keine Zusage.

In Service und Küche liegt der Einstieg meist am Mindestlohn oder knapp darüber. Dazu kommen in der Hochsaison viele Überstunden und im Service Trinkgeld. Deshalb sind die Sommermonate netto deutlich besser als die Wintermonate. Rechne nicht mit dem Juli-Gehalt, wenn Du Deine Miete planst.

In der Pflege gilt der Pflegemindestlohn. Er liegt über dem allgemeinen Mindestlohn und steigt mit der Qualifikation. Der große Vorteil hier: Das Gehalt ist im Februar genauso hoch wie im August.

Bei Reinigung und Objektbetreuung gibt es Branchenmindestlöhne. Kommt Rufbereitschaft am Wochenende dazu, wird sie zusätzlich vergütet.

Die Winterlücke

Ein Saisonvertrag endet im Oktober oder November. Dann sind vier bis fünf Monate zu überbrücken. Üblich sind drei Wege. Manche Häuser mit Kur- oder Wellnessbetrieb halten einen Teil des Personals durch und melden Kurzarbeit an. Manche Beschäftigte gehen für den Winter in Arbeitslosigkeit und kommen im Frühjahr zurück. Andere wechseln für die Wintermonate in Pflege, Handel oder Reinigung.

Wer die Winterlücke vermeiden will, sollte im Gespräch ausdrücklich nach einem Ganzjahresvertrag fragen. Es gibt sie, sie sind nur seltener.

Bergen oder Badeort: zwei verschiedene Arbeitsmärkte

Rügen ist nicht ein Arbeitsmarkt, sondern mindestens zwei. Das wird bei der Jobsuche oft übersehen.

Bergen ist der Verwaltungssitz der Insel. Hier sitzen Behörden, Schulen, soziale Träger, ein Krankenhaus, Praxen und der Handel für die Einwohner. Die Jobs sind ganzjährig, die Arbeitszeiten planbar, die Verfahren dafür formeller. Bewerbungen laufen über Ausschreibungen und dauern länger. Für Menschen mit Kindern ist Bergen fast immer die bessere Wahl.

Die Badeorte leben von Gästen. In Binz, Sellin, Göhren oder Sassnitz drehen sich fast alle Stellen um Hotellerie, Gastronomie, Kurbetrieb und Ferienanlagen. Der Einstieg geht schnell und oft formlos, dafür ist er an die Saison gebunden. Wochenend- und Abendarbeit gehören dazu.

Entscheide diese Frage vor der Bewerbung. Wer beides gleichzeitig sucht, verzettelt sich. Und wer in Bergen wohnt und in Binz arbeitet, sollte den nächsten Abschnitt genau lesen.

Der Insel-Faktor: Wege und Wohnen

Das ist der Teil, den die großen Jobportale nicht schreiben. Er entscheidet aber öfter über einen Job als jede Qualifikation.

Ohne Auto wird es eng

Die Insel ist groß. Zwischen Bergen und den Badeorten im Osten liegen je nach Ziel 20 bis 40 Kilometer. Es gibt eine Bahnverbindung von Stralsund über Bergen nach Binz und Sassnitz, dazu ein Busnetz. Beides funktioniert für normale Tageszeiten. Für einen Spätdienst, der um 23 Uhr endet, funktioniert es fast nirgends.

Ehrlich gesagt: Ohne Führerschein bleiben Dir vor allem Stellen in Deinem Wohnort und entlang der Bahnstrecke. Das ist keine Kleinigkeit, aber es ist machbar, wenn Du gezielt danach suchst. Roller oder E-Bike lösen im Sommer viel und im Januar wenig.

Wohnraum ist die zweite Hürde

In Küstennähe wird fast jede Wohnung als Ferienwohnung vermietet. Dauerwohnraum ist knapp und teuer, besonders in den Badeorten. Wer von außerhalb zuzieht, findet oft eher einen Job als eine Wohnung.

Der Ausweg heißt Personalunterkunft. Viele größere Häuser haben Personalzimmer oder Personalwohnungen. Üblich ist ein kleiner Abzug vom Lohn. Frag im Gespräch drei Dinge: ob es eine Unterkunft gibt, was sie kostet und ob sie auch nach der Probezeit bleibt. Im Landesinneren und rund um Bergen ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt deutlich entspannter.

Was gegen Dich spricht und was nicht

Viele Bewerber halten Dinge für ein Problem, die keines sind. Und unterschätzen andere.

Kein Problem: eine fehlende Ausbildung im Fach. Ein Lebenslauf mit mehreren Branchen. Ein Alter über 50. Eine längere Pause wegen Familie. In der Saison zählt, ob Du zuverlässig kommst und im Trubel ruhig bleibst.

Wird kritisch geprüft: mehrere abgebrochene Saisonstellen hintereinander. Das kennen die Häuser und sie fragen danach. Wenn es einen Grund gab, sag ihn offen. Ein erklärter Abbruch ist besser als ein verschwiegener.

Echtes Ausschlusskriterium: keine Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen. Und die Aussage, am Wochenende nicht zu können, in einem Betrieb, der vom Wochenende lebt. Beides solltest Du vorher klären und nicht am ersten Arbeitstag.

Ein Tipp, der oft mehr bringt als eine gute Bewerbung: Nenn Dein frühestes Startdatum konkret. Betriebe, die Personal für die Saison planen, entscheiden sich im Zweifel für den, der zum passenden Termin da ist.

Den Winter für eine Qualifizierung nutzen

Auf Rügen hat eine Umschulung einen Vorteil, den sie sonst nirgends hat. Es gibt ein natürliches Zeitfenster. Zwischen November und März ist in den Saisonbranchen wenig los.

Wer im Herbst aus einem Saisonvertrag kommt, kann diese Monate für einen Kurs nutzen statt für die Warteschleife. Sinnvoll sind Qualifizierungen, die ganzjährige Arbeit auf der Insel eröffnen. Dazu gehören der Basiskurs Pflege, die Qualifikation als Betreuungskraft, ein Staplerschein oder eine Weiterbildung in der Objekt- und Haustechnik.

Bezahlt wird so ein Kurs in vielen Fällen über einen Bildungsgutschein, den Dir die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter ausstellt. Zwei Dinge sind dabei entscheidend. Der Gutschein muss vor dem Kursbeginn vorliegen. Und viele Kurse finden auf dem Festland statt, meist in Stralsund. Prüf deshalb vorher, wie Du im Winter täglich dorthin kommst.

Wer diesen Weg zwei Winter hintereinander geht, steht danach nicht mehr am Anfang. Das ist die realistischste Art, auf der Insel aus der Saisonarbeit herauszukommen.

Häufige Fragen

Für viele Stellen ja. Die Wege zwischen Bergen und den Badeorten sind lang, und Bus oder Bahn passen selten zu Spät- und Wochenenddiensten. Ohne Auto solltest Du gezielt in Deinem Wohnort suchen oder entlang der Bahnstrecke von Stralsund über Bergen nach Binz und Sassnitz. Manche Häuser holen Personal auch mit einem Shuttle ab. Frag im Gespräch danach.

Ja, das ist auf Rügen verbreitet. Vor allem größere Hotels und Ferienanlagen haben Personalzimmer oder Personalwohnungen. Üblich ist ein Abzug vom Lohn, oft im unteren dreistelligen Bereich. Lass Dir vor der Zusage sagen, wie das Zimmer aussieht, ob Du es teilst und was nach der Probezeit gilt. Halte diese Punkte schriftlich fest.

In den Saisonbetrieben wird es ruhig. Ein Saisonvertrag endet meist im Oktober oder November. Danach gibt es drei übliche Wege. Manche Häuser halten Personal mit Kurzarbeit, manche Beschäftigte melden sich für die Wintermonate arbeitslos, andere wechseln in Pflege, Handel oder Reinigung. Ganzjährige Stellen gibt es, vor allem in Bergen und im Gesundheitsbereich. Frag beim Gespräch aktiv danach.

Wir bestätigen Deinen Eintrag am selben oder am nächsten Werktag. Wie schnell danach etwas kommt, hängt vom Monat ab. Zwischen Januar und April melden wir uns bei den meisten innerhalb weniger Wochen, weil dann für die Saison geplant wird. Im Hochsommer und im Spätherbst dauert es länger. Wir melden uns auch dann, nur eben mit weniger Auswahl.

Ja, mehr als viele denken. Wer im Verkauf gestanden hat, kann mit Gästen umgehen. Wer in der Produktion Schicht gefahren ist, hält einen langen Tag durch. Wer als Fahrer gearbeitet hat, kennt Verantwortung und Zeitdruck. Schreib solche Erfahrungen konkret auf und nicht als Eigenschaftsliste. Genau danach fragen die Häuser hier.

Melde Dich vor der Saison, nicht mittendrin

Die meisten Saisonstellen auf Rügen werden zwischen Januar und April vergeben. Wer erst im Juni sucht, findet nur noch, was übrig geblieben ist. Wir sprechen im Winter mit den Häusern und wissen früh, wer wen sucht.

Hinterleg bei uns Deinen frühesten Starttermin, ob Du mobil bist und ob Du eine Unterkunft brauchst. Genau diese drei Angaben entscheiden hier über eine Vermittlung. Wir melden uns, sobald etwas passt, und geben Deine Daten erst nach Deiner Zustimmung weiter.

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Mathias Wewezer

Mathias Wewezer · Talentküste

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